Besondere Theaterprojekte

Eröffnungsgala 2018/19

Der große Spielzeitauftakt

Fr 14.09.2018 / 19:30 Uhr

Großes Haus Gera

Es geht wieder los! Zum Auftakt der Spielzeit 2018/19 zeigen Künstlerinnen und Künstler aller fünf Sparten Ausschnitte aus den bevorstehenden Premieren. So wartet das Musiktheater mit eingängigen Ouvertüren, Arien, Duetten und Ensembles aus so beliebten Werken wie Smetanas Die verkaufte Braut, Mozarts Die Entführung aus dem Serail, Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und Zellers Der Vogelhändler auf. Genauso erklingen aber auch unbekanntere Werke wie Weinbergs Die Passagierin, Ullmanns Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung oder Sieberts Untergang der Titanic. Das Thüringer Staatsballett präsentiert sich mit Liberace – Glitzer, Schampus und Chopin sowie einem Appetizer zu Forever Lennon, beides Choreografien von Silvana Schröder. Das Schauspiel stellt Szenen aus Kanders Musical Cabaret, Molières Der eingebildet Kranke und Der Rummelplatz des kleinen Mannes sowie Clowns vor. Das Puppentheater verzückt mit HofmannsthalsJedermann und Molières Der Misanthrop oder Der verliebte Melancholiker.
Durch das Programm führen Generalintendant Kay Kuntze und Schauspieldirektor Manuel Kressin gewohnt humorvoll und eloquent.

Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera · Opernchor von Theater&Philharmonie Thüringen · Thüringer Staatsballett · Solisten des Musiktheater-, Schauspiel-, Puppentheater- und Ballettensembles
Dirigenten GMD Laurent Wagner, Takahiro Nagasaki, Olav Kröger, Thomas Wicklein · Moderation Kay Kuntze, Manuel Kressin · Szenische Einrichtung Juliane Stephan · Bühne, Kostüme Hilke Förster · Choreinstudierung Gerald Krammer · Dramaturgie Felix Eckerle

Oedipe – Theater&Philharmonie Thüringen

Nach der umjubelten Premiere und begeisterten Pressestimmen zeigen wir die nächste Vorstellung von George Enescus Meisterwerk am Sa. 21. April 2018 um 19:30 Uhr im Großen Haus Gera. https://bit.ly/2HFonBa

Gepostet von Theater&Philharmonie Thüringen am Freitag, 20. April 2018

Oedipe

Lyrische Tragödie in vier Akten und sechs Bildern
Libretto von Edmond Fleg
Musik von George Enescu
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

„Ah, besser, du würdest niemals ganz verstehen, wer du bist.“
Jokaste

Ödipus ist der Enthüllungskrimi in der griechischen Mythologie: Ein Orakel verkündet, dass der Sohn des Lajos seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird. Die entsetzten Eltern lassen den Neugeborenen mit zusammengebundenen Füßen aussetzen. Er wird aber von einem Hirten gerettet und nach Korinth gebracht, wo er als Sohn des Königs aufwächst. Als Ödipus das Orakel von Delphi aufsucht, wird auch ihm das Schicksal geweissagt, den Vater zu töten und die Mutter zu ehelichen. Um dem zu entgehen, flieht er von seinen vermeintlichen Eltern aus Korinth und trifft dabei auf seinen leiblichen Vater Lajos, den er nach einem heftigen Streit im Kampf tötet. Er befreit Theben von der grausamen Sphinx und heiratet die Witwe des Lajos, seine Mutter, mit der er vier Kinder zeugt. Anzeichen verdichten sich, dass sich der einstige Orakelspruch erfüllt haben könnte. Unerbittlich forscht Ödipus nach der Wahrheit. Als er die Zusammenhänge begreift, alles klar sieht, sticht er sich die Augen aus. Mit seiner Tochter Antigone begibt er sich auf eine lange Wanderschaft …

Die monumentale Komposition des Rumänen George Enescu (1881-1955) basiert auf den antiken Dramen Oedipus Tyrannos und Oedipus auf Kolonos von Sophokles, geht jedoch recht frei mit den Vorlagen um. So beginnt die Oper bereits bei Ödipus’ Geburt; eine besondere Bedeutung kommt auch dessen Begegnung mit der Sphinx zu. Oedipe wurde 1936 in Paris uraufgeführt und gilt als das Meisterwerk Enescus. Die Oper, so der Komponist, muss „ihren Schwung behalten. Kein Pathos, keine Wiederholungen, kein unnötiges Geschwätz. Die Handlung muss sich schnell entwickeln.“ Quelle seines Kompositionsstils ist die Volksmusik seiner rumänischen Heimat. Dies manifestiert sich in einer ständig changierenden Melodie, Harmonie und Klangfarbe, die den Hörer von Anfang bis Ende einnimmt.

Oedipe bei MDR Kultur

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat die Premiere begleitet und im „MDR Kultur Opernmagazin“ am Sa. 14. April ausführlich darüber berichtet sowie Auszüge aus der Generalprobe gesenden. Hier nachören!

Rezensionen

Das Schicksal siegt – Die deutsche Bühne online

Für die internationale Musiktheaterlandschaft gehört „Oedipe“ zu den größten Mutproben betreffend Aufwand und Anspruch. Jetzt haben Theater & Philharmonie Thüringen die Mittel des 2017 erhaltenen Theaterpreises des Bundes in diese Mammutproduktion investiert. Der riesige, ja überwältigt-erschütterte Applaus in Anwesenheit des rumänischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland galt nach der Premiere im Theater Gera nicht nur dem Aufwand, sondern vor allem dem inneren Gehalt dieser Partitur, die sich jeder Kategorisierung in „-ismen“ des frühen 20. Jahrhunderts widersetzt. Generalintendant Kay Kuntze und Generalmusikdirektor Laurent Wagner (…) beweisen, dass man die Ikonographie der attischen Kultur opulent in Szene setzen kann. Duncan Hayler konterkariert seine Kostüme mit geometrischen Bühnenelementen, die er in ein der antiken Bühne nachempfundenes Halbrund setzt. Mit der Regie schafft er mindestens zwei weitere Sinnebenen. Großartig führt Holger Krause den Opernchor, Dagmar Stollberg steigert mit den Kinder- und Jugendgruppen die bewegte Fülle und getragenen Bewegungen. Bei seiner finalen Transformation umfängt ein Baum aus Menschenleibern Oedipe im heiligen Hain von Kolonos. Immer wieder offenbart sich das Werk als eine Schnittstelle zwischen großer Oper und szenischem Oratorium, immer wieder scheinen christologische Bezüge in Kay Kuntzes Inszenierung. Trotz Laurent Wagners Totaleinsatz für sinfonische Fülle und Farbengemische hört man vom Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera deutlich abgesetzte Konturen und Enescus genau durchdachte Wechsel des motivischen Materials zwischen Sängern und Instrumenten. Die Ebenen der Szene finden im Orchestergraben ihre durchdachten Entsprechungen. in dem erst spät verpflichteten Bariton Sébastien Soulès hat die Produktion den idealen Protagonisten: Intelligent, mit starker Emphase faszinierend, jugendlich in der vokalen Expression und alterslos von Erscheinung. Mit ihm modelliert Kay Kuntze herausragend bewegende Szenen. Ulrich Burdack wird durch die Besetzung in gleich drei Partien zum langen bassgewaltigen Schatten Oedipes und zum Repräsentanten des unerbittlichen Schicksals, das immer siegt. Ein Sieg auf ganzer Linie und ein hochkarätiger Höhepunkt der seit Jahren intelligenten Musiktheater- und Konzert-Gestaltung.

Roland H. Dippel

Überwinder des Schicksals – Ostthür. Zeitung 16.4.18

Ungeheuerlich ist der Schicksalsweg des Oedipe, unerhört das atemberaubende Klangwerk Enescus, das ihn kommentierend begleitet, und unglaublich die Qualität, mit der das Theater Altenburg-Gera diese als praktisch unspielbar geltende Oper zur Premiere gebracht hat. Vor allem das Philharmonische Orchester wächst über sich hinaus; zum Schlussapplaus ruft Generalmusikdirektor Laurent Wagner seine Helden auf die Bühne, und glücklich, erschöpft nehmen sie die stehenden Ovationen des Publikums entgegen. Lange wird noch von diesem Abend die Rede sein. GMD Wagner wählt behutsame, keineswegs schleppende Tempi und exerziert die abenteuerlichsten Rhythmus-Strukturen, ohne dass uns Hörern gewärtig würde, wie komplex, wie kompliziert all das ist. Auf jeden einzelnen Musiker kommt es in diesem irisierenden Organismus an, und fest hält ein souveräner „General“ alle Fäden in seiner Hand. Regisseur Kay Kuntze und sein Ausstatter Duncan Hayler erzählen den Mythos ohne überflüssige Schnörkel: stets klar, in jeder menschlichen Situation absolut glaubwürdig, mit einigen wenigen, die Orte der Handlung charakterisierenden Symbolen und mit einer kongenial zur Musik Atmosphäre stiftenden Lichtführung. Ohne jede Übertreibung exakt das richtige Maß des gerade noch Menschlichen getroffen zu haben, macht die großartige Leistung des Regieteams aus. Unter den Solisten, die allesamt kurze, doch ungemein schwere Partien zu singen haben, gibt es nicht einen Ausfall. Sébastien Soulès als Gast singt die schwere Titelpartie vorzüglich in geschmeidiger Deklamation, klug seine Kräfte einteilend. Eine gefühlte Ewigkeit dauert es, bis das Publikum nach den letzten Akkorden aus diesem Rausch von einer Oper erwacht. Nicht enden will der Applaus. Drei Stunden lang war Gera, war das Theater der Stadt der Mittelpunkt einer Welt.

Wolfgang Hirsch

Giftmord in Vierteltönen – FAZ 16.4.18

Musikalische und sängerische Höchstleistungen sind … vernehmbar…. Der Bassbariton Sébastien Soulès changiert gesanglich brillant zwischen kalter Existenzangst und resigniertem Fatalismus und gibt den Ödipus als gescheiterte Existenz…. Der ausgezeichnete Chor bildet gemeinsam mit dem Orchester das Rückgrat der Aufführung.

Christiane Wiesenfeldt

altenburg.tv

Die Menschheit entwickelt sich immer weiter. Technischer Fortschritt, das Zusammenrücken der Welt oder die Geschwindigkeit unseres Alltags beweisen dies. Allerdings scheinen wir in politischen Dingen keine Weiterentwicklung zu vollführen. Diesen Beweis tritt jetzt das Schauspielensemble von Theater und Philharmonie Thüringen an. „Der Rummelplatz des kleinen Mannes“ heißt ein Programm mit Texten aus den 20er Jahren.

Die Entführung aus dem Serail

Singspiel in drei Aufzügen KV 384
Libretto von Christoph Friedrich Bretzner,
bearbeitet von Johann Gottlieb Stephanie d. J.
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

„Nichts ist so häßlich als die Rache;
Hingegen menschlich, gütig sein,
Und ohne Eigennutz verzeihn,
Ist nur der großen Seelen Sache!“
Finale III. Akt

Die Edeldame Konstanze, ihre Zofe Blonde sowie deren Freund Pedrillo fallen auf einer Seereise Piraten in die Hände, die sie auf einem Sklavenmarkt verschachern. So geraten sie ins Haus des türkischen Sultans Bassa Selim. Dieser verliebt sich sogleich in Konstanze und umwirbt sie mit großem Einsatz. Blonde überlässt er hingegen seinem Aufseher Osmin, der mit allen Mitteln versucht, ihre Liebe zu gewinnen. Belmonte, dem Geliebten von Konstanze, gelingt es nach qualvoller Irrfahrt, das Serail mit den Gefangenen ausfindig zu machen. Sein Diener Pedrillo, der beim Bassa mittlerweile als Gartner tätig ist, schleust ihn in den Harem. Die beiden schmieden einen Plan, um die stolzen und auf ihre Treue beharrenden Frauen aus den Fängen der liebeshungrigen Türken zu befreien. Doch die Entführung scheitert und das Leben der vier Unglücklichen liegt in der Hand des Bassas.

Kaiser Joseph II. gab 1782 die Komposition der Entführung aus dem Serail in Auftrag, um der italienischen Oper eine genuin deutsche entgegenzusetzen. Sie besitzt volkstümlichen Charakter, wobei die großen Themen der Liebe und Treue im Mittelpunkt stehen. Mozarts (1756-1791) Musik trägt zuweilen ernste und gefühlvolle Züge, der Grundtenor ist jedoch spielerisch und heiter. Eine Besonderheit stellte damals die „türkische“ Musik dar, die Mozart der Janitscharenmusik entlehnte und v. a. den orientalischen Figuren zur Seite stellte.

Kobie van Rensburg, weltweit gefeierter Tenor, hat zwischenzeitlich ins Regiefach gewechselt. Nach Regiearbeiten in München, Halle, Chemnitz u. a. schließt sich nun mit seiner Inszenierung der Entführung ein Kreis, denn mit diesem Werk debütierte der Südafrikaner 1991 als Belmonte an der Roodepoort City Opera.

Rezensionen

Entführung ins Wunderland – Thüringische Landeszeitung/ Ostthür. Zeitung 12.2.18

Man reibt sich die Ohren und die Augen nach einem Fest der Sinne von mehr als drei Stunden Güte und staunt, als Belmonte samt seiner Entourage final abhebt, wie die Zeit doch im Fluge vergeht. Langsam löst sich der Bann und mündet in eine schiere Applausorgie. – Ach, in diesen Serail möchte ein jeder gern mal entführt werden. Wer drin war, denkt nur: Da capo! Da capo!

Wolfgang Hirsch

Orientzauber – Freie Presse 23. 2.18

Der für die Inszenierung gewonnene prominente Regisseur Kobie van Rensburg bringt dabei dank virtuos gehandhabter Videotechnik traumhafte Kulissen ins Bild. Der geballte Zauber des Orients mit Palmen, Palästen, Kamelen und unentwegt durch die Lüfte rudernden Reihern stürmt da auf das Publikum ein. Das Anheimelnde setzt sich nahtlos fort in den adretten, Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelten Kostümen, die die Szene bevölkern…

Volker Müller

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok

Weiße Rose

Szenen für 2 Sänger und 15 Instrumentalisten
(Neufassung 1985)
Libretto von Wolfgang Willaschek
Musik von Udo Zimmermann
Zum 75. Gedenkjahr an die Widerstandsbewegung

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte.“
Sophie Scholl

Ab Sommer 1942 verbreitete die studentische Widerstandsgruppe „Die Weise Rose“ im süddeutschen Raum Flugblätter gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime. Sie forderte darin zunächst zum passiven Widerstand auf, aber schon bald auch zum Sturz der Regierung. Die Flugblätter waren mehr als nur ein Aufstand des Gewissens. Sie waren politisch hoch motiviert und entstanden aus der Überzeugung heraus, dass man nicht mehr schweigend zuschauen dürfe, sondern Widerstand gegen das verbrecherische System leisten müsse. Die fünf Münchner Studentinnen und Studenten sowie ihr Professor bezahlten diese Überzeugung mit ihrem Leben. Sie wurden 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Udo Zimmermann (*1943) skizziert mit Weiße Rose eine „innere Handlung“: „Mich bewegte weniger die Frage nach der Bewältigung von Faschismus als die, wie wir mit Wahrheit umgehen“, so der Komponist. „Wir fragten uns, was man getan hätte, wäre man damals selbst in einer solchen Situation gewesen. Und: Was tut man heute zwischen Tatbereitschaft und Opportunismus? Man kann die Wahrheit nur finden, wenn man ständig sein Gewissen prüft, persönliche Verantwortung empfindet.“ Die facettenreiche Partitur bewegt sich zwischen musikalischem Aufschrei und innerer Stille. Die Uraufführung fand 1986 in Hamburg statt; seitdem gehört das Werk zu den erfolgreichsten deutschen Nachkriegsopern.

Die große Liebe war es nicht – Die Ruth-Brandin-Story

Schauspiel-Revue von Svea Haugwitz und Manuel Kressin
Auftragswerk · Uraufführung

„Sind Sie bereit, sich von uns entführen zu lassen in eine bunte Welt vergangener Zeiten? Eine Welt von Lipsi, Twist und schönen Schlagern?“, so begrüßt das Faktotum sein Publikum zur 60er-Jahre-Retro-Show. Doch was sich in der DDR zugetragen hat, kann man nicht nur mit schönen Melodien beschreiben. Die Kulturzensur des SED-Regimes reichte bis in die apolitische Welt des Schlagers hinein. Das hat auch Ruth Brandin (*1940) erfahren müssen, die eine steile Karriere von der Krankenschwester zum international gefeierten Schlagerstar machte. Doch die junge, selbstbewusste Frau eckte immer wieder an, vor allem bei den Staatsorganen. Als man ihr die Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit antrug, lehnte sie ab. Wenige Wochen später erhielt Brandin ihre Kündigung und musste sich 1974 bei ihrem letzten Auftritt in Gera endgültig von der Bühne verabschieden.
Deshalb muss die Figur Ruth Brandin auch dem Faktotum vehement widersprechen: Es war nicht alles schön, damals. Der Papagei hat den vermeintlich neutralen Überblick, vertritt er doch in Personalunion alle Spitzel und Mitarbeiter der Staatssicherheit, deren Berichte die Akte von Ruth Brandin füllen. Doch inwiefern kann man diesen Akten trauen? Und warum interessiert es die Staatssicherheit überhaupt, ob Brandin das Treppenhaus regelmäßig wischt?
Die Revue ist ein Kaleidoskop von Erinnerungen, Berichten und Liedern, das der Biografie einer beeindruckenden Frau und dem Lebensgefühl einer vergangenen Zeit nachzuspüren sucht. Dabei erklingen unvergessene Schlager wie „Papagei-Twist“, „Nie zuvor war ein Abend so schön“ und „Mich hat noch keiner beim Twist geküsst“, die Ruth Brandin einst interpretiert hat.

ELLING in Gera

Die erste Premiere des Schauspielensembles von Theater&Philharmonie Thüringen im Jahr 2018 ist  am Sonntag, 14. Januar, um 18 Uhr ELLING in der Bühne am Park Gera. Johannes Emmrich und Ioachim Zarculea spielen Elling und Kjell Bjarne, zwei junge Männer, die einen Großteil ihres bisherigen Lebens in der Psychiatrie verbrachten und nun  ins „normale“ Leben integriert werden sollen.  Der erste Schritt dazu ist eine eigene Wohnung. Beide  haben mit allerlei Problemen und ihren persönlichen Ticks zu kämpfen. Die Hürden des Alltags beginnen bereits beim Telefonieren. Die Vorstellung, mit jemandem zu sprechen, den man nicht sieht, erscheint Elling als vollkommen unnatürlich. Kjell Bjarne hingegen ist vollends begeistert von den Möglichkeiten, die das neue Medium bietet: Nächtelang hängt er am Telefon und lauscht neugierig Sexhotlines, was eine horrende Telefonrechnung zur Folge hat. Doch nach und nach gelingt es dem ungleichen Duo immer besser, sein neues Leben selbständig zu meistern: Während Kjell Bjarne mit der hochschwangeren Nachbarin anbändelt, verfasst Elling Gedichte, die er auf Sauerkrautpackungen im Supermarkt klebt. So finden beide ihren ganz speziellen Umgang mit dem Leben „da draußen“.
Die Komödie von Axel Hellstenius basiert auf dem Roman Blutsbrüder des norwegischen Autors Ingvar Ambjørnsen (*1956). Mit Witz und voller Hoffnung erzählt Elling vom Festhalten und Loslassen und von der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft.

Caro Thum inszeniert das Stück für Menschen ab 14 Jahren in der Ausstattung von  Anike Sedello.
In weiteren Rollen Michaela Dazian und Manuel Struffolino. Für die musikalische Einrichtung ist Olav Krögerverantwortlich. Dramaturgin ist Svea Haugwitz, Ansprechpartner für Schulen Marco Schmidt.
Karten sind an der Theaterkasse erhältlich, Telefon 0365-8279105.

Bühne am Park Gera

Ausgrabung zweier hebräischer Kammeropern

Premiere am 10. November Bühne am Park Gera

Theater&Philharmonie Thüringen bringt in Zusammenarbeit mit den ACHAVA Festspielen Thüringen und dem Lehrstuhl für Geschichte der jüdischen Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar sowie Deutschlandfunk Kultur in der Bühne am Park Gera die beiden hebräischen Kammeropern „Saul in Ein Dor“ und „Die Jugend Abrahams“ heraus. Für die 1922 entstandene Oper „Die Jugend Abrahams“ ist es die Uraufführung! Premiere ist am Freitag, 10. November 2017, um 19.30 Uhr.
Die Aufführung erfolgt in hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Chefdramaturg Felix Eckerle ist es gelungen, die Arbeitsgemeinschaft Musiktheater der Dramaturgischen Gesellschaft für dieses Projekt zu interessieren. Am 11. November von 10 bis 16 Uhr findet ein Symposium in der Bühne am Park statt, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Bereits am 4. November um 11 Uhr können sich Interessierte auf einer MATINEE in der Bühne am Park bei freiem Eintritt vorab informieren und erste musikalische Eindrücke gewinnen.
30 Minuten vor jeder Vorstellung sind die Besucher zu einer Einführung im Obergeschoss der Bühne am Park eingeladen.

Saul in Ein Dor
Opera Concertante mit Musik von Josef Tal
Text: Samuel I, 28:3-25
Saul in Ein Dor wurde 1955 uraufgeführt. Die Opera Concertante schildert die Begegnung des ersten Königs Israels mit der Wahrsagerin von Ein Dor, die ihm ein tragisches Schicksal prophezeit. „Die Bibel als Opernlibretto zu verwerten, war riskant. Judaisten sahen die Gefahr weltlicher Profanierung. Das Gegenteil stellte sich heraus: Zu hören war jüdische Musik ohne jedes Melodiezitat aus traditioneller Liturgie, israelische Musik ohne nationale Symbole und obendrein in modernistischer Atonalität“, berichtet Tal in seiner Autobiografie.
Josef Tal (1910-2008) musste 1934 vor dem Nazi-Terror nach Palästina fliehen und avancierte dort nach dem II. Weltkrieg zu einem Mitbegründer der israelischen klassischen Musik.

Die Jugend Abrahams
Kammeroper in drei Szenen nach den Legenden aus der Aggada
Musik von Michail Gnesin · Orchestriert von Boris Filanovsky
Uraufführung
Die symbolisch aufgeladene Geschichte über die Jugend des Stammvaters Israels und dessen Streben nach Welterkenntnis diente Michail Gnesin (1883-1957) als Inspirationsquelle für seine Kammeroper. 1922 komponierte er den größten Teil des Werks in Palästina und beendete den Klavierauszug der Oper Anfang Januar 1923 in Moskau. Jascha Nemtsov hat das Manuskript dieser bislang nicht aufgeführten, ersten explizit jüdischen Oper in hebräischer Sprache in einem Moskauer Archiv wiederentdeckt. Nemtsov: „Gnesins Grundgedanke zum Wesen der Musik besteht darin, dass die musikalische Sprache einerseits geeignet ist, außermusikalische Bilder plastisch vorstellbar zu gestalten, und dass sie andererseits einen stark ausgeprägten philosophischen Aspekt beinhaltet.“

Die Musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Laurent Wagner. Regie führt Michael Dissmeier. Für Bühne und Kostüme zeichnet Hilke Förster verantwortlich.
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Jascha Nemtsov von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar

Neben den beiden Sängern aus dem Musiktheaterensemble János Ocsovai (Saul/ Abraham) und Alejandro Lárraga Schleske (Samuel/ Terach, Abrahams Vater) agiert als Gast die in Israel geborene Mezzosopranistin Ayala Zimbler-Hertz (Die Frau).
Den Part des Sprechers hat der Schauspieler Peter Prautsch.
Mitglieder der jüdischen Gemeinde Erfurt übernehmen Aufgaben als Statisten.

Menschen im Hotel

Schauspiel-Symphonie

Zur ersten Schauspielpremiere der Spielzeit 2017/18, mit der sich Manuel Kressin als neuer Schauspieldirektor vorstellt, wird am Freitag, 29. September, um· 19:30 Uhr ins Große Haus der Bühnen der Stadt Gera eingeladen.
Der 1929 von Vicki Baum (1888-1960) geschriebene Bestseller-Roman „Menschen im Hotel“ gewährt nicht nur Einblick in Vorgänge hinter verschlossenen Zimmertüren, sondern auch hinter die Fassaden der Gesellschaft. Bereits 1932 lief die erste Verfilmung unter dem Titel Grand Hotel mit einem Staraufgebot in den Kinos und gewann den Oscar als Bester Film.
Manuel Kressins Stückfassung spürt der gleichsam komödiantischen, kritischen und tragischen Geschichte nach. Als Schauspieldirektor setzt er ganz auf das Ensemble und hat für seine Antrittsinszenierung ein großes Ensemblestück gewählt, in dem sich viele neue Mitglieder seines Ensembles vorstellen. Als Schauspiel-Symphonie konzipiert, werden Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera die Inszenierung live zur Komposition von Schauspielkapellmeister Olav Kröger und unter seiner Leitung begleiten.
In den Rollen: Grusinskaya Vanessa Rose · Baron Gaigern Danijel Gavrilovic · Otto Kringelein Thomas C. Zinke · Dr. Otternschlag Bruno Beeke · Flämmchen Nolundi Tschudi · Direktor Preysing Thorsten Dara · Portier Senf Maximilian Popp · Suzette Hanna Petkoff · Hausdame Fiona Mechthild Scrobanita · Gerstenkorn Ines Buchmann · „Baby“ an der Bar Alexandra Sagurna.
Bühne und Kostüme entwirft Kristopher Kempf. Für die Choreografie ist Katerina Vlasova verantwortlich, die auch den Tanzpart der Grusinskaya übernimmt.

In diesem Hotel treffen Schicksale auf engem Raum aufeinander: Es wird geliebt, gehandelt, gestohlen, geredet und manchmal auch gestorben. Die unterschiedlichsten Menschen betreten durch die Drehtür eine eigene Welt, treffen aufeinander und leben doch aneinander vorbei. Da ist die Primaballerina Grusinskaya, die, einst groß und umjubelt, nun nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Sie lechzt nach Aufmerksamkeit und kann doch in ihrem gegenwärtigen Leben keinen Sinn mehr finden. Da begegnet ihr der Baron Gaigern und sie verbringt eine Liebesnacht mit ihm. Der verarmte Adelige aber hat ursprünglich ganz andere Pläne in dem Hotel verfolgt … Unterdessen trifft der todkranke Buchhalter Kringelein auf den morphiumsüchtigen Dauermieter Dr. Otternschlag. Der eine hungernd danach, die große Welt zu erleben, der andere vom Dasein gelangweilt. Dem Unternehmer Preysing schwimmen unterdessen die Felle weg und er sucht Trost in den Armen der Sekretärin auf Zeit, Fräulein Flamm.

In einer Matinee stellt Dramaturgin Svea Haugwitz am Sonntag, 24. September, um 11:00 Uhr im Großen Haus Gera das Team und im Gespräch mit allen Beteiligten die Konzeption vor. Der Eintritt ist frei.

Meisterklasse

Komödie von Terrence McNally
Deutsch von Inge Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting
Musik von Vincenzo Bellini, Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi

„Singen ist eine ernste Angelegenheit!“
Maria Callas

Meisterklassen sind Lehrveranstaltungen, die von renommierten Künstlern gehalten und von ausgewählten Studenten besucht werden, um unter exklusiver Betreuung ihre Begabungen weiterzuentwickeln. Eine der größten Meisterinnen ihres Fachs war die Sopranistin Maria Callas (1923-1977). Aufgewachsen als Tochter griechischer Einwanderer in New York und ausgebildet am Athener Konservatorium, sorgte sie bereits vor ihrem 20. Geburtstag an der Nationaloper von Athen für Furore. Als Violetta, Medea, Norma oder Tosca eroberte sie von der Metropolitan Opera bis zur Mailänder Scala die großen Bühnen der Welt. Zahlreiche Aufnahmen für die Plattenfirma EMI dokumentieren die unvergleichliche Gesangskunst der Primadonna assoluta. Für Schlagzeilen sorgte auch ihr Privatleben, vor allem ihre tragische Liebesaffäre mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis. Nachdem sie ihre beispiellose Karriere 1965 in London beendet hatte, gab sie immer wieder Meisterklassen an der New Yorker Juilliard School. Ihr pädagogisches Anliegen war es, den Schülern gesangliche Perfektion zu vermitteln. Wer nicht bereit sei, alles von sich zu geben, habe auf der Bühne nichts verloren, so ihr Credo.
Die 1996 mit dem Tony Award ausgezeichnete Komödie Meisterklasse des amerikanischen Dramatikers Terrence McNally (*1939) spielt eine solche Lehrstunde in all ihren Facetten nach. Sie ist außerdem eine Aufarbeitung verschiedener Aspekte des Lebens und Wirkens der Callas, thematisiert die Bedingungen, denen sich Meisterschüler stellen müssen, und kulminiert in einem Appell für die Wahrhaftigkeit der Kunst.

Masepa

Oper in drei Akten
Libretto von Peter Tschaikowski und Viktor Burenin
nach dem Gedicht Poltava von Alexander Puschkin
Musik von Peter Tschaikowski

„Durch das dunkle Laub der Bäume
lugt der Mond ins Kämmerlein.“
Maria

Masepa, Oberbefehlshaber der ukrainischen Kosaken, liebt Maria. Deren Eltern, der vermögende Gutsherr Kotschubej und seine Frau Ljubow, reagieren entsetzt auf diese Nachricht und versuchen, die Beziehung der beiden zu unterbinden, ist Maria doch wesentlich jünger als Masepa und außerdem dessen Patentochter. Auch Masepas Hinweis, die Liebe beruhe auf Gegenseitigkeit und Maria sei vielleicht von ihm schwanger, beruhigt die Situation nicht. Die Eltern stellen Maria vor eine äußerst schwierige Wahl: Entweder bleibt sie bei ihrer Familie und auch bei ihrem Jugendfreund Andrej, oder sie entscheidet sich für Masepa, den sie liebt, und wird dafür von ihrer Familie verstoßen. Marias Flucht mit ihrem Geliebten setzt eine schier endlose Spirale von Intrigen, Gewalt, privaten und politischen Machtspielen, Verrat, Verletzungen und Tod in Gang. Trotz der unzähmbaren Brutalitat, die ihn bis zur Selbstvernichtung führt, wirbt Masepa um Verständnis, dass seine Liebe zu Maria echt und gut ist. Zurück bleibt Maria, die in geistiger Umnachtung ein berührendes Wiegenlied anstimmt.

Peter Tschaikowski (1840-1893) fasziniert weniger die politische Instrumentalisierung Masepas als ukrainischer Freiheitskampfer oder Verräter, wie er im 19. Jahrhundert oftmals dargestellt wurde; er betont hingegen die Auswirkungen politischer Auseinandersetzungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Die 1884 in Moskau uraufgeführte Oper ist von großer Leidenschaft und Tragik geprägt, der sich niemand entziehen kann.


Dracula

Ballett von Silvana Schröder
Musik von Wojciech Kilar, Samuel Barber, Wolfgang Amadeus Mozart u. a.
Uraufführung im Rahmen der Ballettfestwoche 2017

„Willkommen in meinem Schloss! Treten Sie unverzagt herein und lassen Sie etwas von dem Glück hier, das Sie mit sich bringen …“
Graf Dracula

Der 1897 vom irischen Schriftsteller Abraham, genannt „Bram“, Stoker veröffentlichte Roman Dracula wurde zum Inbegriff des Schauerromans und begründete das bis heute höchst erfolgreiche Genre der Vampirliteratur. Stokers packende Erzählung spielt in Siebenbürgen, Reiseziel des britischen Rechtsanwalts Jonathan Harker, der mit dem ihm bis dato unbekannten Klienten Graf Dracula einen Immobilienkauf in London abschließen soll. Doch von Anfang an sind Harker die Geschehnisse im düsteren Schloss des Grafen nicht ganz geheuer. Und haben der Graf und die hübschen jungen Frauen, die Harker eines Nachts erscheinen, nicht ungewöhnlich lange, spitze Eckzähne und auffällig blutrote Lippen?

„Nichts für Leser mit schwachen Nerven“, urteilte 1908 die Verlagsbuchhandlung Leipzig zur deutschen Erstausgabe. Denn die Begegnung Harkers mit Graf Dracula ist nur der Beginn einer atemlosen Flucht und Verfolgungsjagd, in der Harker sich und seine Geliebte Mina irgendwie in Sicherheit zu bringen versucht. Gelingt es dem Paar, den Untoten zu besiegen und damit sich, ihre Familien, Freunde und nicht zuletzt die britische Hauptstadt vom grausamen Treiben des Vampirs zu befreien?

Dracula inspiriert seit über einem Jahrhundert die künstlerische Fantasie, wurde gleich mehrfach erfolgreich verfilmt und erfreut sich auch in der Sparte Ballett immer größerer Beliebtheit – u. a. in den Inszenierungen des englischen Northern Ballet (1997), des Ballett Würzburg (2011) und des Madison Ballet, Wisconsin (2013, USA). Im Januar 2017, als Auftakt zur Ballettfestwoche in Gera, lässt Silvana Schröder mit ihrem Gespür für temporeiche Handlungsballette den Grafen Dracula zum ersten Mal auf den Bühnen von Theater&Philharmonie Thüringen sein Unwesen treiben.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng

Familienmusical
Musik und Gesangstexte von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman
Für die Bühne bearbeitet von Jeremy Sams und Ray Roderick
Basierend auf dem gleichnamigen MGM Film
Deutsch von Frank Thannhäuser

„Oh das Tschitti Tschitti Bäng Bäng
Tschitti Tschitti Bäng Bäng lieb ich so …“
Jemima, Jeremy und Caractacus Potts

Jemima und Jeremy spielen am liebsten auf dem kaputten Rennwagen ihres Nachbarn. Doch dieser soll eines Tages an einen Schrotthändler verkauft werden – sehr zum Entsetzen der beiden Kinder. Caractacus Potts, alleinerziehender Vater der beiden und pfiffiger Erfinder, erwirbt den Boliden und repariert ihn. Wegen der sonderbaren Geräusche, die das Auto beim Fahren, Schwimmen und sogar Fliegen macht, bekommt es den Namen „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“.

Baron Bomburst von Vulgarien ist neidisch auf das geniale Gefährt und schickt zwei Spione aus, um dieses zu stehlen. Sie überraschen die Familie Potts beim Picknick mit der bezaubernden Truly Scrumptious, Tochter eines Süßwarenfabrikanten, und entführen den trotteligen Großvater. So beginnt eine spannende Verfolgungsjagd …

Ob als Kinderbuch-Klassiker von James-Bond-Erfinder Ian Fleming (*1964), als Musical-Fantasyfilm aus dem Jahr 1968 mit der schmissigen Musik der Sherman-Brüder (Das Dschungelbuch, Mary Poppins) oder ab 2002 als erfolgreiches Bühnenmusical am Londoner West End und am New Yorker Broadway: Tschitti Tschitti Bäng Bäng fasziniert seit langem Jung und Alt. Theater&Philharmonie Thüringen ist es als erstem deutschen Stadttheater gelungen, sich die begehrten Aufführungsrechte zu sichern. Freuen Sie sich auf ein märchenhaft-fantastisches, spannendes und zugleich humorvolles Musicalerlebnis für die ganze Familie!

Zwei Männer ganz nackt

(Deux hommes tout nus)
Komödie von Sébastien Thiéry
Deutsch von Jakob Schumann
Deutschsprachige Erstaufführung

„Das ist genau wie bei einer Frau.
Zunge rein und schön im Kreis.“
Cathérine Kramer

Alain Kramer ist schockiert, als er am frühen Abend splitternackt in seiner Wohnung erwacht und neben sich seinen Angestellten Nicolas Prioux vorfindet. Ebenfalls nackt. Beide können sich an nichts erinnern. Wie sind die beiden Anwälte in diese delikate Situation geraten? Wurden sie unter  Drogen gesetzt? Steckt deutscher Voodoo dahinter? Noch während die beiden die absurdesten Theorien aufstellen, platzt Alains Frau Cathérine in die Szenerie. Sie zieht den einzig logischen Schluss: Ihr Mann ist schwul und hat sie betrogen. Alain und Nicolas sind über diese Vorwürfe schockiert. Davon wollen sie nichts wissen! Mit Schwulen haben sie nichts zu tun! Als Cathérine ein benutztes Kondom unter dem Bett findet, steht Alain das Wasser bis zum Hals. Während er allerlei absurde Versuche unternimmt seine Frau davon zu überzeugen, dass er heterosexuell ist, flüchtet sich diese immer wieder in die Musik. Doch bald entdeckt Alain Kramer weitere Gedächtnislücken und er gerät vor seiner Frau und sich selbst in immer größere Erklärungsnot.

Die temporeiche Komödie Zwei Männer ganz nackt führt Homophobie ad absurdum. In der stilvoll eingerichteten Wohnung Kramers, mit Liedern von Juliette Gréco, Édith Piaf und anderen Größen des französischen Chansons – live gesungen und am Flügel begleitet – entfalten sich die Verwirrungen und Widrigkeiten des wohlsituierten Ehepaares. Dem Autor Sébastien Thiéry (*1970) ist dabei eine spannende Mischung aus Situationskomik und Wortwitz, Groteske und Ernsthaftigkeit gelungen. Unter der Regie von Bernhard Stengele lädt diese tiefgründige Komödie sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken ein.


Besetzung

  * als Gast

Fotos: Sabina Sabovic

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 Seide

Nach dem Roman von Alessandro Baricco
für die Bühne bearbeitet von Tobias Goldfarb

„Ich wollte eine Geschichte schreiben wie weiße Musik, eine Geschichte, die klingt wie die Stille.“
Alessandro Baricco

Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnet sich Hervé Joncour für die Beschaffung neuer Seidenraupeneier verantwortlich, die für die Seidenproduktion in seinem französischen Dorf Lavilledieu unabdingbar sind. Mit seiner Frau Hélène führt er dort ein unaufgeregtes Leben, das ihn weder glücklich macht noch betrübt. Als eine Seuche die Raupen seiner bisherigen Handelspartner befällt, rät man Hervé, die Eier aus Japan zu beziehen. So macht er sich auf die lange Reise in das fremde Land, das bisher kaum ein Europäer betreten hat. Hervé gelingt es tatsächlich, einen Handel mit Hara Kei, dem Fürsten eines Dorfes, abzuschließen und dabei verliebt er sich in den Anblick eines jungen Mädchens. Bezaubert von den Eindrücken der fremden Kultur kehrt er nach Frankreich zurück, wo dank seiner erfolgreichen Geschäfte die Produktion in Lavilledieu wieder gesichert ist. Als er im folgenden Jahr erneut in das japanische Dorf reist, beobachtet Harvé wieder fasziniert das geheimnisvolle Mädchen. Vor seiner Abreise gibt sie ihm einen Zettel: „Kommen Sie zurück, oder ich sterbe.“

Seide ist ein zutiefst poetischer Roman, der zart und einfühlend die Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung beschreibt. Dabei geht es nicht allein um die sanfte Verbindung zwischen Hervé und der Japanerin, sondern auch um die sich dadurch verändernde Beziehung des Händlers zu seiner Frau Hélène. Es sind die unausgesprochenen Wünsche, die aufmerksamen Beobachtungen und die melodischen Wiederholungen, die der Erzählung eine beflügelnde Leichtigkeit verleihen, die Sinne und Fantasie anregen.

Fotos: Sabina Sabovic

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Das zweischneidige Schwert

Polit-poetischer Gesang von Petra Paschinger und Bernhard Stengele
Uraufführung
In der Reihe Vom Himmel hoch – Glaube und Gesellschaft

Di 22.03.2016 / 19:30 Uhr

Bühne am Park Gera

„Unser Haus hat viele Türen, / Die hinein zum Herren führen.“
Dschelaleddin Rumi

Der entrückte Tanz der Derwische, die sprichwörtlich gewordene Gastfreundschaft und Freigebigkeit, die Geschichten aus 1001 Nacht – sind dies Orient-Klischees des 19. Jahrhunderts oder schlicht eine andere, positive Seite des Islam?
Terroranschläge, Krieg und die Gräueltaten des Islamischen Staates dominieren heute die westeuropäische Wahrnehmung der größten Weltreligion. Kopftuchdebatte und die Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“ bestimmen den öffentlichen Diskurs. Aber ist das schon alles, was man über diese Religion wissen muss? Was steckt wirklich dahinter? Was ist der Islam?

Auf der Suche nach Antworten versammelt Das zweischneidige Schwert Texte, Tänze und Gedichte zum Thema und lädt zu einer mystisch-spirituellen Reise. Auf den Spuren des Sufis Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273) führt diese in der Deutschen liebstes Urlaubsland: die Türkei. Rumis besondere Form der Liebesmystik wird zum Wegweiser in der Begegnung der Kulturen: Liebe, Toleranz und Vergebung sind dabei die Schlüsselworte, Musik und Tanz werden zur Brücke zwischen Gott und Mensch und den Religionen.

Fotos: Sabina Sabovic

Theater&Philharmonie Thüringen Das zweischneidige Schwert Polit-poetischer Gesang von PetraPaschinger und Bernhard Stengele Musik: Ömer Avçi (an den Schlaginstrumenten) V.l.n.r.: Christiane Nothofer, Bruno Beeke, Ouelgo Téné, Katerina Papandreou und Öykü Oktay Es spielen:

Theater&Philharmonie Thüringen Das zweischneidige Schwert Polit-poetischer Gesang von PetraPaschinger und Bernhard Stengele Musik: Ömer Avçi (an den Schlaginstrumenten) vorn Katerina Papandreou Christiane Nothofer und Öykü Oktay

Theater&Philharmonie Thüringen Das zweischneidige Schwert Polit-poetischer Gesang von PetraPaschinger und Bernhard Stengele Uraufführung: 11.3.2016 Bühne am Park Gera Ouelgo Téné und Manuel Kressin

Der Orchesterführerschein hat schon viele kleine Orchesterexperten hervorgebracht!

M35A8769Bis zum Ende der Spielzeit 2015/16 werden über 630 Kinder aus mindesten 32 Vor- und Grundschulklassen ihren unterschriebenen Orchesterführerschein stolz in den Händen halten. Der Erfolg des neuen Angebotes der Musikpädagogin des Hauses, Lorina Mattern, kommt überraschend: „Wir wussten, dass der Orchesterführerschein eine schöne Idee ist, aber dass sich gleich von Anfang an so viele Schulen dafür interessieren, hätte ich nicht gedacht.“ Das Konzept ist den Grund- und Vorschülern wie auf den Leib geschnitten: In mehreren Etappen dürfen die Kinder die Welt des Orchesters erkunden. Orchester-IllustrationNeben dem Besuch eines Schülerkonzertes, einer Orchesterprobe und einer Theaterführung gibt es auch den neu entwickelten Workshop „Der Instrumentenkoffer“. Dabei werden alle Orchesterinstrumente aus einem alten Koffer gezaubert und vorgestellt. Im Anschluss daran dürfen die Kinder das Konzertsaalpodium erobern und unter einem Kinderdirigenten selber Orchester spielen. Um zu Hause, in Kindergarten und Schule das Erlebte spielerisch weiter zu vertiefen, bekommt jeder Teilnehmer das „Orchester-Heft für Kinder“, das von Julia Deutsch vom Büro für Kinderkulturkonzepte Orchesterheft-Titelspeziell für TPT entwickelt wurde.

Nun möchten wir uns bei der Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde Gera e. V., dem Verein der Orchesterfreunde Gera e. V. und dem Druckhaus Gera dafür bedanken, die sie dieses Angebot durch Spenden finanziell ermöglicht haben.

Charlotte Stitz

Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße

Phantastisch-romantische Oper in vier Aufzügen
Libretto von Eberhard König
Musik von Hans Sommer
In der Reihe Opernwiederentdeckungen des 20. Jahrhunderts
In Kooperation mit Deutschlandradio Kultur

Fr 18.03.2016 / 19:30 Uhr PREMIERE 

Großes Haus Gera

Foto: Sabina Sabovic

Rübezahl Titel„Je ärger die Enge, je lust‘ger der Spaß, je bunter die Menge, je toller ich blas‘.“
Ruprecht

Liebe zu einer Frau oder Loyalität gegenüber den Menschen, die ihn zu ihrem Anführer im Freiheitskampf gegen den Tyrannen erkoren haben – das ist das Dilemma, in welchem sich der junge Maler Wido befindet. Denn Widos Geliebte Gertrud ist ausgerechnet die Ziehtochter des Vogtes Buko, der die Bevölkerung der Stadt Neiße am Fuße des Riesengebirges grausam unterdrückt, ausbeutet und dabei auch noch verspottet. In seiner Verzweiflung ruft Wido den sagenumwobenen Berggeist Rübezahl herbei, der auch prompt erscheint. Bald nimmt Rübezahl die Gestalt eines Dudelsackpfeifers an, der als einfacher Musikant daher kommt und doch manches durcheinander bringt.

Rübezahl, eine Sagengestalt aus dem Riesengebirge, fasziniert seit der Renaissance. Mal bringt er Menschen vom rechten Weg ab, mal tritt er als ihr Beschützer auf. Oft nimmt er die Gestalt anderer an, treibt seinen Schabernack und greift in die Geschicke ein. Die Oper Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße handelt aber auch von der Kraft der Liebe, der Macht der Musik und der zivilisatorischen Bedeutung von Kunst.

Bevor Hans Sommer (1837-1922) als Komponist bekannt wurde, war er als Professor für Mathematik und Physik am Braunschweiger Polytechnikum tätig. Nebenher studierte er privat Musik, u. a. als Schüler von Franz Liszt in Weimar. 1875 begegnete er Richard und Cosima Wagner; ein Jahr später war er deren Gast bei den ersten Bayreuther Festspielen. Sommer schrieb insgesamt zehn Opern. Sein op. 36, Rübezahl, wurde 1904 in Braunschweig mit großen Erfolg uraufgeführt und kam ein Jahr später – unter dem Dirigat von Richard Strauss, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband – in Berlin und Weimar zur Aufführung. Jetzt ist die mit spätromantischer Klangfülle aufwartende Oper erstmals wieder zu erleben.

Piaf – La vie en rose

Ballett von Silvana Schröder
Musik live und vom Band
Uraufführung

Fr 12.02.2016 / 19:30 Uhr

Großes Haus Gera

Foto: Christoph Beer

Piaf BEER8930a„Moral ist, wenn man so lebt, dass es gar keinen Spaß macht, so zu leben.“

Edith Piaf

„Non, je ne regrette rien” („Nein, ich bereue nichts“) – ein Chanson, das nicht nur um die Welt ging, sondern auch das Lebensmotto seiner Interpretin war: Edith Giovanna Gassion (1915-1963), die kleine Französin mit der faszinierenden Stimme, die als Edith Piaf zur Legende wurde. Sie sang von Liebe und Abschied, von Glück und von Tod; sie verstand es, die Tragik ihres Lebens in ihren Liedern auszudrücken – allgemeingültig und allgemeinverständlich.

Edith Piafs Karriere wurde begleitet von heftigen Liebesaffären, tragischen Unfällen, Zusammenbrüchen, Alkohol und Drogen. Lange kämpfte sie gegen ihr Krebsleiden an und stand selbst noch schwerkrank auf der Bühne. Doch sie wollte nur eines: Singen. Ihre Herkunft hatte Piaf den Stempel aufgedrückt: Ihr expressives Leben und ihre starke Stimme wurden auf der Straße ausgebildet. Von der Mutter verlassen, bei den Großmüttern aufgewachsen, mit dem Vater, einem Schlangenmann und Alkoholiker, im Wanderzirkus unterwegs gewesen und irgendwann von der Brutalität und Alkoholsucht aus ihrem familiären Umfeld getrieben, floh sie mit fünfzehn Jahren, um auf den Straßen von Paris selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Dort entdeckte sie Louis Leplée und holte sie in sein Kabarett. Damit setze er den Grundstein für ihre fulminante internationale Karriere.

Der Schwerpunkt von Silvana Schröders Choreografie liegt in der Gegenüberstellung der privaten, zumeist leidenden, kranken Piaf, die ihre Kindheit verarbeitet und mit ihren Krankheiten, Unfällen und Abstürzen zu kämpfen hat, und einem singenden Weltstar, der mit seinen Liedern berührt, für sein Publikum lebt und bis heute Bewunderung auf sich zieht und Kraft spendet.

Orchesterführerschein“ – Neues musikpädagogisches Angebot für die kleinsten Hörer

M35A8766Ab der Spielzeit 2015/16 hat Theater&Philharmonie Thüringen ein neues Angebot im Programm, mit dem Vor- und Grundschüler das Philharmonische Orchester entdecken können: Der Orchesterführerschein – Das Abzeichen für kleine Orchester-Experten.

Um zu richtigen Experten in Sachen Orchester ausgebildet zu werden, müssen unterschiedliche Stationen durchlaufen werden, bei denen es allerlei zu erleben und entdecken gibt. Dazu gehören ein Schülerkonzert, ein Besuch einer Orchesterprobe, eine Theaterführung und ein ebenfalls neu entwickelter Workshop „Der Instrumentenkoffer“. Dabei werden alle Orchesterinstrumente aus einem alten Koffer gezaubert, vorgestellt und vor allem dürfen die Kinder das Konzertsaalpodium erobert und selber Orchester spielen. Um Zuhause, in Kindergarten und Schule das Erlebte weiter zu vertiefen bekommt jeder Teilnehmer das „Orchester-Heft für Kinder“, das von Julia Deutsch vom Büro für Kinderkulturkonzepte speziell für TPT entwickelt wurde.

Finanziell unterstützt und ermöglicht wurde dieses Angebot durch Spenden der Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde Gera e. V., dem Verein der Orchesterfreunde Gera e. V. und dem Druckhaus Gera.

Buchung: Marco Schmidt, Jugendreferent

Tel: 0365 · 82 79 102

Marco.schmidt@tpthueringen.de

M35A8733M35A8769Orchester-Illustration

Die Musikdramaturgin Lorina Mattern präsentiert das musikpädagogische Projekt!